Apple veranstaltete am 19. Januar 2012 mal wieder die obligatorische Keynote am Anfang des Jahres. Eine ernst zu nehmende Ankündigung fehlte diesmal allerdings. Von einem deutlich nervösen Phil Schiller wurde diesmal kein neues technologisches Produkt vorgestellt, sondern eine Applikation, welche im Kontext zu einer wahrscheinlich wenig erfolgversprechenden Offensive steht:

Der Apple Bildungsoffensive.

Im einzelnen möchte Apple mal wieder das Rad neu erfinden. Diesmal: das Rad des Lernens. Apple hat dazu eine Applikation mit dem Namen “iBooks Author” veröffentlicht. Im Grunde genommen ist dieses Programm nichts anderes, als ein sehr aufgebohrtes Layout- und Präsentationsprogramm in einem. Mit der Funktion, am Ende des Fertigungsprozesses ein speziell für das iPad formatierte eBook auszuspucken. Mit integrierten Videos und interaktiven Textpassagen.

Klingt ja alles erstmal nicht verkehrt. Was Apple jedoch möchte, ist die Art des Lernens neu zu definieren.

Der Lernende, in der Präsentation das Kind, hat die Möglichkeit, einzelne Textpassagen im fertigen eBook zu markieren. Diese werden dann extra gespeichert und mittels Karteikarten auf dem Bildschirm visualisiert. Das “Verkaufsargument” für diese Funktion war die folgende:

NIEMALS wieder müssen Notizen aus Büchern per Hand aufgeschrieben werden. Das übernimmt der Reader des iPad in Zukunft. Sprich, Kinder sollen in Zukunft von virtuellen Karteikarten, statt von handschriftlichen Notizen lernen. In Ergänzung zu Büchern ist ein schön gestaltetes, informatives und interaktives eBook durchaus zu empfehlen. Besonders in naturwissenschaftlichen Fächern. Ein Experiment als Video zu sehen oder in ein Atom hineinzuzoomen hat schon was. Aber hat denen bei Apple schon mal jemand erzählt, dass das Lernen per Aufschreiben immer noch die beste Methode ist, um sich Informationen zu merken?

Natürlich kommt so eine Idee zur Revolutionierung des Lernens nicht von ungefähr. Gesprochen hat Apple dazu mit einer Vielzahl von Lehrern, aus welchen ganz nebenbei durch das Benutzen des iPads bessere Menschen gemacht wurden, welche allesamt der Meinung waren, dass das Unterrichten und Lernen wie es heute praktiziert wird, seit mehreren Jahrhunderten nicht mehr modernisiert wurde. Hmm…vielleicht sollte mal jemand Apple auf die multiplen Lehrmethoden, die nichts mehr mit Frontalunterricht zu tun haben, hinweisen. Ein weiteres Argument waren das Gewicht der und die Kosten für Schulbücher, welche von Kind zu Kind weitergegeben werden und natürlich durch die häufige Benutzung sichtbare Schäden davongetragen haben. Kosten, welche die Eltern mit der Anschaffung eines iPad in Zukunft nicht mehr haben und Gewicht, welches das Kind nicht mehr tragen müsste.

Das mit dem Erfinden des Rades ist den Kreativköpfen aus Cuppertino ja schon oft gelungen, nur diesmal frage ich mich, welcher Kopf dahinter steckt und ob nicht DER Kopf der Köpfe im Oktober 2011 verstorben ist. Ich bin auf weitere Ankündigungen in diesem Jahr gespannt.

Ich bin ein bekennender Applenutzer. Aber das klingt mir zu sehr nach einer Versuch, Aufmerksamkeit zu heischen. Nichtsdestotrotz ist der “iBooks Author” ein funktionelles, einfache zu bedienendes und schön gemachtes Programm, mit dem sich schöne Sachen machen lassen. Aber dies als Ablöse für Bücher zu sehen? Nee….

Wie denkt ihr über das Ganze? Besonders würden mich Meinungen von Eltern interessieren!